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Schlundverstopfung


 

 

Aus dem Nähkästchen geplaudert - Negativbeispiel zum Nachdenken 

 

Ein Pferd muss in einen anderen Stall umgestellt werden. Es kennt die Umgebung nicht, es kennt die anderen Pferde und Menschen noch nicht, und auch noch nicht, wie der tägliche Routineablauf im Stall ist. Gewöhnlich hat es immer gut gefressen und es waren keine Auffälligkeiten erkennbar. Die Stallbetreiberin meint es gut, und gibt dem Pferd am zweiten Tag kleine Karotten in den Futtertrog. Sie kann das Pferd noch nicht so deuten, wie es die Besitzerin des Pferdes kann, die das Tier schon jahrelang kennt.

Was passiert? Plötzlich macht das Tier merkwürdige Geräusche, hustet, scheint nicht abschlucken zu können, wird panisch, eine schaumige Masse fließt aus den Nüstern, und es fängt an zu schwitzen. Glücklicherweise reagiert die Stallbetreiberin schnell und ruft sofort den Tierarzt, der noch rechtzeitig eintrifft, um folgende Diagnose zu stellen:

Schlundverstopfung !

 

Was fällt auf ?

 

Wäre die Besitzerin vor Ort gewesen, hätte sie, da sie das Pferd in- und auswendig kennt, mit großer Sicherheit sagen können, ob ihr Pferd einen gestressten Eindruck macht. Wäre dies der Fall gewesen, hätte sie keine Möhren, und schon gar keine kleinen, in das Futter getan ! Diese Situation wäre vermeidbar gewesen.

 

Es gibt aber auch leider nicht vermeidbare Situationen. Aufgrund dessen ist eine Sensibilisierung dafür notwendig !

 

 

Es ist hinlänglich bekannt, dass Möhren die Schlundverstopfungsursache Nr. 1, gefolgt von nicht ausreichend eingeweichten Rübenschnitzelpellets sind ! Ebenso ist bekannt, dass Pferde, die gestresst sind, gleich, was der Auslöser ist, hastig fressen.

Aber was genau passiert denn nun bei der Schlundverstopfung (Ösophagusobstruktion)?

 

 

Steckbrief

Der Ösophagus verläuft linksseitig vom Pferd. Bleibt ein Futtermittelbrocken (Bolus) aus verschiedenen Gründen darin stecken, wird die Luftröhre eingedrückt und ein bestimmter Nerv (N. vagus) gequetscht. Im Verlauf der Speiseröhre gibt es drei Engpässe:


- Hinter dem Kehlkopf
- Eingang in Brustkorb (90° Knick) - verschiebbar)
- Durchtritt der Speiseröhre durch Zwerchfell (Schlitz)

 

 

Ätiologie/Pathogenese

- hastiges Fressen und ungenügendes Kauen (Auslöser Stress oder konditioniert)
- mangelhaftes Gebiss bei alten Pferden
- Ösophagusfehlbildung

- Fütterungsfehler:
- pektinhaltige, quellbare Futtermittel
- Anschoppung von trockenem, quellfähigen Futter, z.B. Trockenschnitzel
- abgeschlucktes Obst – ganzer, kleiner Apfel, geschnittene Möhrenstücke

 

 

Klinik / Symptome

- krampfhaftes Würgen
- häufiges Schlucken
- Pupille weit / Hyperventilation - Notfall !
- Husten
- starker Speichelfluss
- plötzliches Regurgitieren
- Speichel (schaumig) und Futterreste aus Nüster
- Angst, Unruhe
- Kopf wird gestreckt nach unten gehalten !
- wenn Bolus im Halsteil festsitzend: Schwellung sichtbar / palpierbar
- Schmerzen
- teilweise fressen Pferde weiter bis Ösophagus ganz voll ist

 

 

Komplikationen

- Schleimhautreizung
- Aspirationspneumonie
- Spasmen

 

Therapie

- unverzüglich behandeln lassen - Tierarzt
- am Halsteil: Massage Richtung Maul durchführen
- 1. Hilfe: alternative Medizin, Möglichkeiten wie Homöopathie etc.

 

 

Prognose
Innerhalb von 24 Std behandeln sonst droht Gefahr einer Pneumonie oder anderer Folgeerkrankungen

 

 

Wie kannst du vorbeugen ?

- dem jeweiligen Pferd individuell angepasste Fütterung

 

- z.B. Rübenschnitzel

- ausreichend lange Einweichzeit vor Fütterung

- Achtung: in warmen Sommermonaten kommt es zur Gärung, wenn zu lange Einweichzeit, Tipp: statt kaltes warmes Wasser verwenden: weicht schneller)

 

- z.B. Karotten etc.:

- nicht kleinschneiden, sondern als komplettes Stück anbieten, denn, ja, die Pferde haben Zähne zum Kauen...

 

- z.B. kleine Äpfel oder andere "runde" Obst und Gemüse

- kleine Äpfel sind prädestiniert zum Steckenbleiben, entweder halbieren oder am besten komplett weglassen