Sicherlich hast du schon davon gehört, dass diese an die Wand gehängten Metall - Heuraufen, wie es sie vor Jahrzehnten gab, nicht geeignet sind, um dein Pferd artgerecht zu füttern. Aber warum ist das so?

 

Früher

Früher wollte man es sich leichter machen und vor allem sparsam mit dem Heu umgehen. Man stellte es den Tieren in diesen Raufen zur Verfügung, damit das wertvolle Futter nicht soviel durch Urin, Erde oder Pferdeäpfel verschmutzt werden konnte. Denn was dann passiert, weiß jeder Pferdehalter nur zu gut - es würde nicht mehr gefressen werden. Aber mal ehrlich, man selber würde auch nicht im Badezimmer essen...

 

Das Pferd in der Natur

Dem Pferd wurden von der Natur anatomische Besonderheiten gegeben. In der freien Natur gibt es weder Heuraufen, baumelnde Heunetze, Futtereimer oder ähnliches. Das Pferd bewegt sich frei - den ganzen Tag, hauptsächlich im Schritt und grast dabei mal hier mal dort ausschließlich in tiefer Kopfhaltung - eben da, wo das Gras wächst. Und selbst, wenn das Pferd vereinzelt an Gebüschen oder Bäumen knabbert, wirst du sehen, dass es abbeißt, und dann wieder in die tiefe Kopfhaltung übergeht, um zu schlucken.
 

Was fällt dir auf ?

Hast du dein Pferd schon einmal fressend auf der Wiese bzw. stehend am hängenden Futtertrog oder gar an einem hängenden Heunetz beobachtet? Fällt dir dabei etwas auf?
Ganz richtig: Auf der Weide, während dein Pferd grast, ist seine Hals - und Rückenmuskulatur deutlich entspannter - durch die tiefe Kopfhaltung ist nicht nur der Oesophagus (Speiseröhre) in der Position, in der er sein soll.
Das Pferd, welches dagegen aus einem auf Brusthöhe hängenden Futtereimer frisst, oder sich gar an einem Heunetz kopfdrehenderweise bedient, wird nicht so entspannt stehen und kauen können.
 
Stell dir vor, du müsstest dein Essen aus einer Position heraus von einer Gabel aufnehmen, die dir nicht behagen wird. Probiere es aus: Zieh dein Kinn nur wenige Zentimeter zurück Richtung Hals. Versuchst du nun, zu schlucken, fühlt sich das deutlich schwerer an, als wenn du deinen Kopf in aufrechter für dich normaler Position hältst. Dasselbe wirst du spüren, wenn du deinen Kopf leicht in den Nacken nimmst, und auch hier versuchst, einen Bissen zu schlucken. Du wirst einen Kloß im Hals spüren, dein Kehlkopf wird sich gereizt anfühlen oder du wirst sogar husten. Egal wie, es wird immer ein unangenehmes Gefühl bleiben !
Und die für das Pferd physiologische Position, um Nahrung aufzunehmen, ist in tiefer Kopfhaltung !
 
 
 

 

 Equifoodle Sinus

 Abbildung: equiner Kopf mit stark vereinfachter Darstellung der Sinus
 
 
 

Anatomische Einrichtungen am Pferd

Es gibt weitere anatomische Einrichtungen am Pferdekopf: die Sinus, wannenförmige Veneneinrichtungen, die tief in der Muskulatur eingebettet liegen.

 

Sinus venosus venae transversae faciei 
Sinus venosus venae profundae faciei
Sinus venosus venae buccalis

 

Diesen wird eine Pumpfunktion nachgesagt (Wissdorf et al., 2010), da diese bei gesenktem Kopf des Tieres durch Druck des Musculus masseter das Blut in die Vena jugularis externa transportieren können. Die Vena jugularis externa ist die Halsvene, die dafür sorgt, dass das Blut in Richtung Kopf transportiert werden kann. Es entsteht also ein Gegendruck bei Füllung dieser Sinus. Dieser ist notwendig, um den arteriellen Hochdruck bei abgesenkter Kopfhaltung auszugleichen.

Dass diese anatomische Einrichtung beim Pferd existiert, zeigt ebenso, dass der Kopf des Pferdes beim Fressen physiologisch tief gehalten werden muss !

 

 


 

Quellen:


WISSDORF, H. et al.: Praxisorientierte Anatomie und Propädeutik des Pferdes, M.&H. Schaper Verlag, 3. Auflage, 2010

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